Fade to Black (08.09.2008), switti (24.09.2008)
Mit Suse Linux 9.2 kommt endlich mehr Komfort in die WLAN-Konfiguration. Doch noch ist die WLAN-Installation nicht ganz ohne Hürden. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Installationsprobleme für ein WLAN unter Linux meistern.
Ein Funknetzwerk unter Linux galt bislang als schwierig zu implementieren. Linux und WLAN, das war nur etwas für Hartgesottene. Die mussten sich lange durch Konfigurationsdateien und Dokumentation wühlen, bis sie überhaupt erst an die Einstellungen für das Funknetz kamen. Mit Suse Linux 9.2 ist das anders. Das im Herbst 2004 erschienene Linux kommt mit deutlich verbesserten WLAN-Funktionen.
Suse 9.2 unterstützt WLAN-Karten nach den Standards IEEE 802.11a, 802.11b und 802.11g. Die Standards 802.11b (11 MBit/s) und g (54 MBit/s) sind in Deutschland weit verbreitet.
Ob es für Ihre Karte einen Linux-Treiber gibt, hängt vom verwendeten Chipsatz ab. Suse 9.2 unterstützt laut Dokumentation folgende Chipsätze in WLAN-Karten:
Lucent/Agere Hermes
Intel PRO/Wireless 2100
Intersil Prism2/2.5/3
Intersil PrismGT
Atheros 5210, 5211, 5212
Atmel at76c502, at76c503, at76c504, at76c506
Texas Instruments ACX100
Fade to Black (08.09.2008), switti (24.09.2008)
Wenn Sie nachsehen wollen, welches Chipset in Ihrer WLAN-Karte steckt sehen Sie im Internet nach unter der Adresse
[Only registered and activated users can see links. ]
Dort finden Sie eine riesige Liste mit praktisch allen Adaptern und Chipsets.
In einigen Fällen brauchen Sie noch ein Firmware-Update. Beispielsweise bei einigen Centrino-Modellen. Das bekommen Sie über das Yast-Online-Update. Oder sehen Sie in Yast unter "Software - Software installieren oder löschen" nach und suchen dort nach "wlan".
switti (24.09.2008)
Die Installation
Wenn Sie eine Karte haben, die von Suse Linux 9.2 unterstützt wird, ist die Installation einfach. Stecken Sie bei laufendem KDE einfach die Netzwerkkarte in den PCMCIA-Einschub. Wenige Sekunden später erscheint die automatische Hardware-Erkennung von Suse. In diesem Beispiel haben wir es mit einer D-Link DWL-G650 PCMCIA-Karte probiert, die auf Anhieb erkannt wurde.
Bestätigen Sie die Meldung mit einem Klick auf "Ja" und geben Sie im danach erscheinenden Fenster Ihr root-Kennwort ein. Danach startet Yast die Hardware-Erkennung und Einrichtung. Kurze Zeit später erscheint die neu erkannte Funknetzwerk-Karte markiert in der Liste "Zu konfigurierende Netzwerkkarten". Klicken Sie dann auf "Konfigurieren".
Im Allgemeinen funktioniert die Karte gut mit den Vorgaben im ersten Konfigurationsschritt: DHCP ist voreingestellt und damit holt sich der Computer seine IP-Adresse und die für eine Verbindung notwendigen Daten vom DHCP-Server.
Im nächsten Fenster des Assistenten müssen Sie schon ein wenig mehr arbeiten. Im Allgemeinen gilt als Betriebsmodus "Verwaltet". Falls Sie zwei Computer direkt per Funknetzwerkkarte verbinden wollen, also ohne Access Point, wählen Sie "Adhoc".
Geben Sie unter "Netzwerkname (ESSID)" die Netzwerkkennung Ihres Access Points ein und wählen Sie unter "Authentifikationsmodus" den Eintrag "Offen" oder "WPA-PSK". WPA ist sicherer - allerdings kommen noch nicht alle Access Points einwandfrei damit zurecht.
Schließlich geben Sie in der untersten Zeile noch den Schlüssel für den Funknetz-Zugriff ein. Im Normalfall wählen Sie als Eingabeart "Hex" und tragen genau den Schlüssel ein, den Sie auch in Ihrem Access Point verwendet haben. Falls Ihr Access Point den Schlüssel über eine Passphrase, also ein lesbares Kennwort ermittelt, aktivieren Sie die entsprechende Option und geben Sie dieses Wort ein.
Nach Klicks auf "Weiter" und "Beenden" richtet Yast den Funknetz-Zugriff ein. Die Statusleuchten der Funknetzkarte sollten blinken und Sie sollten ins Funknetzwerk kommen.
switti (24.09.2008)
Fehler suchen und beheben
Hat es nicht auf Anhieb geklappt? Dann gilt es, den Fehler zu finden. Mittel der Wahl hierfür ist das Programm "iwconfig", das Sie als Benutzer "root" aufrufen. "iwconfig" funktioniert ähnlich wie "ifconfig", nur eben für Funknetz-Karten. Das Programm liefert nach dem Aufruf ausführlich Informationen über den Verbindungsstatus der Funknetzkarte. Neben der verwendeten Netzwerk-Kennung erhalten Sie auch Aufschluss über die Signalstärke "Link Quality". Ist dieser Wert auf "0", so haben Sie keine Funkverbindung. Um dieses Problem zu beheben, wechseln Sie Ihren Standort und rufen Sie nach ein paar Sekunden Wartezeit "iwconfig" noch einmal auf.
Interessant ist auch der Eintrag "Access Point". Falls eine Signalstärke von mehr als 0 angezeigt wird und hinter "Access Point" nur "FF:FF:FF:FF:FF:FF" steht, so hat die Karte den Access Point nicht gefunden. Das kann daran liegen, dass nicht der richtige Kanal eingestellt wurde und dass ihn die Karte auch nicht automatisch gefunden hat. In diesem Fall probieren Sie es von Hand. Starten Sie Yast noch einmal und wählen Sie unter "Netzwerkgeräte - Netzwerkkarte" Ihren Wireless-LAN-Adapter, um dessen Konfiguration zu bearbeiten.
In "Konfiguration der drahtlosen Netzwerkkarte" klicken Sie auf "Einstellungen für Experten". Dort können Sie bei Bedarf einen "Kanal" festlegen. Sehen Sie zuvor in der Konfiguration Ihres Access Points nach, welcher das ist. Im Normalfall ist diese Eingabe aber nicht notwendig, da die Funknetz-Karte im Modus "Verwaltet" automatisch den richtigen Kanal findet.
Nach jeder Änderung in der Konfiguration rufen Sie "iwconfig" neu auf und überprüfen die Einstellungen. Scheint hier alles in Ordnung, steht also die MAC-Adresse des Access Point in der Liste und ist die Signalstärke ausreichend, sehen Sie nach, ob Ihr Rechner eine vernünftige IP-Adresse bekommen hat. Das geht mit der Eingabe von "ifconfig". Sehen Sie hier die richtige IP-Adresse? Dann ist alles in Ordnung. Probieren Sie es mit einem "ping" und geben Sie als Zieladresse den Access Point ein, etwa
ping 192.168.4.1
Der Access Point sollte die Ping-Anfragen beantworten. Gibt Ping keine zufrieden stellende Antwort, kann das zwei Ursachen haben:
- Sie haben keine IP-Adresse für Ihren Linux-Rechner bekommen -- dann lesen Sie im nächsten Abschnitt "Das DHCP-Problem" weiter.
- Sie haben die Suse-Firewall eingeschaltet. Dann schalten Sie zunächst einmal die Firewall ab, das geht in Yast unter "Sicherheit und Benutzer" und "Firewall". Natürlich sollten Sie diesen Schutz nicht auf Dauer ausgeschaltet lassen. Nachdem Ihr Netz sauber konfiguriert ist, können Sie die Schutzmauer wieder einschalten. Tipp: Achten Sie beim Einrichten der Firewall darauf, dass Sie auch die richtige Schnittstelle schützt, im Falle eines Funknetzwerks also die mit der Bezeichnung "wlan-id-xx:xx:xx:xx;xx;xx".
switti (24.09.2008)
Das DHCP-Problem
Ist die Funknetzwerkkarte so weit eingerichtet und bringt auch iwconfig gute Werte? Gut. Funktioniert Ping, aber es zeigt sich keine Website beim Aufruf? Schlecht. Offenbar funktioniert in diesem Fall die Namensauflösung nicht.
Eventuell liegt das Problem in der DHCP-Konfiguration. Das tritt vor allem dann auf, wenn in Ihrem Notebook noch ein Ethernet-Adapter steckt, der auch DHCP-Daten anfordert. Und egal, ob der eine Verbindung hat oder nicht - das stört. Auch das Entfernen des Ethernet-Anschlusses aus der Hardware-Konfiguration von Yast nutzt nichts.
Abhilfe hingegen schafft ein kleiner Eintrag in einer Datei im Verzeichnis "/etc/sysconfig/network/". Hier finden Sie eine oder zwei Dateien, die mit "ifcfg" beginnen. Suchen Sie die heraus, die mit "ifcfg-wlan-id" beginnt und die MAC-Adresse der WLAN-Karte trägt. Öffnen Sie die Datei mit einem Editor und schreiben Sie als letzte Zeile hinein:
DHCLIENT_PRIMARY_DEVICE=yes
Damit räumen Sie der Karte bei der Vergabe von IP-Adressen eine höhere Priorität ein. Starten Sie mit
rcnetwork restart
das Netzwerk neu. Dabei können Sie beobachten, wie Ihr WLAN-Client eine DHCP-Adresse bekommt. Und mit dieser Adresse kommen auch die korrekten Daten, die für die Namensauflösung von Internet-Adressen notwendig sind.
Probieren Sie es danach erneut, von Ihrem WLAN-Notebook aus ins Internet zu kommen. Jetzt sollte alles funktionieren. Falls nicht, lesen Sie den Kasten "Letzte Mittel".
switti (24.09.2008)
Top-Werkzeug: KWiFi-Manager
Eine große Hilfe für alle Funknetzwerker ist das Tool KWiFi-Manager. Das finden Sie in Yast unter "Software installieren oder Löschen”. Wählen Sie als "Filter” die "Suche” und geben Sie als Suchbegriff "wlan” ein. Kurz danach erscheint das Paket "kdenetwork3-wireless”, das Sie anschließend installieren können.
Nach der Installation rufen Sie das Programm über die Tastenkombination "Alt – F2” und mit der Eingabe von "kwifimanager” auf.
Auf dem Bildschirm erscheint ein Kontrollfenster, rechts unten in der Kontroll-Leiste finden Sie ein kleines Diagramm. Das zeigt die aktuell ermittelte Signalstärke an.
Im Kontrollfenster des Programms sehen Sie neben der Signalstärke auch Informationen über das aktuell gewählte Funknetzwerk, die Verbindungsgeschwindigkeit und die lokale IP-Adresse. Per Knopfdruck auf "Scan for Networks” lassen Sie Linux nach neuen Funknetzwerken suchen.
Praktisch zur Suche des idealen Standorts ist die akustische Suche. Die schalten Sie ein mit "Config – Acoustic Scanning”. Je nach Signalstärke erklingt ein mattes "Plop" oder – bei besseren Verbindungen – ein begeistertes Piepsen. Das ist nicht nur für Hobby-Wardriver prima, die auf Ihrer Suche nach offenen Funknetzen durch die Stadt kreuzen. Es ist auch ideal, um den Aufstellort und Antennenausrichtung des Access Point perfekt hinzubekommen. Einfach das Notebook am gewünschten Ort aufstellen, die Akustik einschalten und so lange drehen, bis der beste Ton erschallt.
Ein weiteres Werkzeug für die Qualitätskontrolle ist unter "File – Connection Statistics” zu finden. Hier zeigt ein Diagramm den Verlauf der Signalstärke und des Rauschlevels in den letzten vier Minuten.
Für den Einsatz an unterschiedlichen Orten ist der Manager ebenfalls gerüstet. Bis zu vier Konfigurationen können Sie dem Programm mit auf den Weg geben und bei Bedarf zuschalten. Allerdings hat das beim Ausprobieren nicht einwandfrei funktioniert. Der Manager hat die Konfigurationen wieder verloren.
switti (24.09.2008)
Iw-Tools
Neben dem komfortablen Wifi-Manager gibt es noch eine Reihe von Kommandozeilen-Tools. Das Werkzeug "iwconfig” haben Sie bereits kennen gelernt. Es hilft, die Netzwerkverbindung zu kontrollieren und einzurichten. Das Programm stammt aus einem Paket, das noch weitere Utilities für Funknetzwerker enthält:
"iwspy" liefert Verbindungsstatistiken. Dazu geben Sie die verwendete Netzwerkschnittstelle an und eine Zieladresse, beispielsweise die eines anderen Rechners. Dann ermittelt der Spion Daten über Verbindungsgeschwindigkeit und Qualität. Das funktioniert aber nicht mit allen Karten.
"iwlist" holt detaillierte Informationen über verfügbare Funknetzwerke ein. Dazu geben Sie zum Beispiel ein
iwlist ath0 scan
Zurück bekommen Sie eine Liste aller in Funkreichweite verfügbaren Access Points. Zusätzlich erscheinen Informationen darüber, ob die Übertragung verschlüsselt ist und wie stark die Verbindung ist.
Oder möchten Sie wissen, welche Schlüssellängen Ihre WLAN-Karte unterstützt? Dann geben Sie ein
iwlist ath0 key
und erhalten die verfügbaren Schlüssellängen sowie die von der eigenen Karte verwendeten Schlüssel.
"iwevent" schreibt alle auftretenden Events mit, die mit Wireless LAN zu tun haben. Dazu zählen zum Beispiel verlorene und wieder aufgenommene Verbindungen.
"iwpriv" zeigt, welche speziellen Kommandos ein WLAN-Adapter versteht und erlaubt, diese zu manipulieren.
Mehr über diese Funktionen erfahren Sie, indem Sie die jeweiligen Manual-Seiten öffnen.
Eine weitere Informationsquelle für die aktuelle Verbindung ist /proc/net/wireless. Mit
cat /proc/net/wireless
rufen Sie aktuelle Informationen über die WLAN-Schnittstelle ab.
Fazit: In Sachen WLAN ist Suse mit der 9.2er-Version ein großer Schritt nach vorne gelungen. So komfortabel wie mit Windows geht es zwar noch nicht. Aber endlich kann man mit geringem Aufwand auch Linux ohne Kabel vernetzen.
switti (24.09.2008)
Letzte Mittel
Manchmal kommt es gerade während der Einrichtung eines WLAN vor, dass eine Verbindung verloren geht, die zuvor schon einmal funktioniert hatte. Und alles Probieren hilft nichts - das Netz bleibt weg. Da hilft nur der Griff in die Kiste mit den rabiateren Maßnahmen. Probieren Sie es zunächst mit einem
rcnetwork restart
Damit wird die Netzwerkunterstützung neu initialisiert und der Computer fordert erneut eine IP beim Access Point an.
Falls das nicht hilft, probieren Sie es, in Yast noch einmal die komplette Netzwerkkonfiguration durchzuspielen - kontrollieren Sie dabei alle Parameter - vielleicht haben Sie sich beim Schlüssel vertippt. Doch auch wenn Sie keine Änderungen vornehmen, speichern Sie die Konfiguration nochmals.
Als letzte mögliche Lösung steht ein kompletter Systemneustart zur Auswahl. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie schon eine Weile konfiguriert haben, aber nicht genau wissen, welche Änderung wie gegriffen hat.
Denken Sie auch daran, dass es oft nicht am Linux-Computer liegt. Möglicherweise ist die Funkverbindung unterbrochen oder zu schwach für eine kontinuierliche Übertragung. Dann kommt es oft zu kaum erklärlichen Ausfällen.
Auch der Access Point kann sich einmal verschlucken. Wenn gar nichts mehr geht, schalten Sie den Access Point ab und starten Sie ihn neu.
switti (24.09.2008)
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