Ein Organspendeausweis kann Leben retten
Rund 12.000 schwer kranke Menschen brauchen in Deutschland ein neues Organ. Weil es zu wenig Spender gibt, warten viele von ihnen mehrere Jahre - zwischen Hoffen und Bangen. Jeder vierte Patient überlebt diese Zeit nicht. Das liegt aber nicht nur an der mangelnden Spenden- bereitschaft der Bundesbürger, sondern auch an den Strukturen in den Krankenhäusern.
Schon als junger Mann besorgte sich Rolf Jaksties einen Organspendeausweis. "Für mich war der Sinn dieses Dokuments immer klar", sagt der Bankkaufmann aus der Pfalz. "Aber ich hätte nie geglaubt, dass mir eine Organspende einmal das Leben retten würde."
Warten auf ein Herz
Im Jahr 1996 diagnostizierten Ärzte bei dem damals 41-Jährigen eine schwere Herzmuskelerkrankung, die sich im Lauf der Jahre stetig verschlechterte. Anfang 2003 stand fest, dass der verheiratete Vater zweier Töchter unbedingt ein neues Herz braucht. "Am schlimmsten war die Ungewissheit, ob ich das Warten überhaupt überlebe", erinnert sich der inzwischen 54 Jahre alte Jaksties.
Jeden Tag sterben drei Patienten
Ähnlich wie er hoffen bundesweit 12.000 Menschen auf ein neues Organ. Etwa 800 Menschen benötigen ein Herz, 7700 eine Niere, 1900 eine Leber und mehr als 500 eine Lunge. Viele von ihnen warten jahrelang, und jeder Vierte wartet vergebens. Weil es zu wenig Spender gibt, sterben jeden Tag durchschnittlich drei bedürftige Menschen.
Jeder Sechste hat einen Ausweis
Dabei ist die Einstellung der Deutschen zum Thema Organspende eigentlich so schlecht nicht: Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat jeder sechste Bundesbürger einen Spendeausweis. Fast die Hälfte aller Befragten hat zumindest einmal daran gedacht, sich das Dokument zu besorgen. Und zwei Drittel der Deutschen hätten keinen Einwand dagegen, dass ihnen nach dem Tod Organe entnommen würden.
Zahl der Spender sinkt
Die Realität sieht aber anders aus: Die tatsächliche Zahl der Spender sank im Jahr 2008 auf knapp 1200. Dabei käme grundsätzlich fast jeder halbwegs gesunde Mensch dafür infrage. Voraussetzung für eine Entnahme funktionsfähiger Organe ist allerdings, dass vor dem Herzstillstand der Hirntod eintritt. Das passiert jährlich bei rund 4000 Patienten, die in deutschen Kliniken sterben. Dass nur ein kleiner Teil von ihnen Organe spendet, liegt auch an der Gesetzeslage.
Krankenhäusern fehlt die Zeit
Laut der geltenden sogenannten erweiterten Zustimmungsregelung soll ein Mensch seine Bereitschaft mit einem Spendeausweis dokumentieren. Nach dem Tod können allerdings auch die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen entscheiden. Doch dazu müssten sie von Mitarbeitern des Krankenhauses angesprochen werden. Gerade im hektischen Alltag der Intensivstationen haben Ärzte oft zu viel zu tun, um die sensible Thematik mit den Hinterbliebenen zu erörtern. "Die Abläufe in den Krankenhäusern sind so verdichtet, dass dafür kaum Zeit bleibt", sagt der Freiburger Mediziner Friedhelm Beyersdorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Nach seiner Meinung sollten alle größeren Krankenhäuser einen Transplantationsbeauftragten beschäftigen, der diese Gespräche übernimmt. Bislang müssen Kliniken mit Intensivstationen nur in acht der 16 Bundesländer einen solchen Beauftragten bestimmen.
"Wir erscheinen als Bittsteller"
Auf strukturelle Veränderungen dringt auch Günter Kirste vom Vorstand der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO), die die Spenden koordiniert. "Die Krankenhäuser melden längst nicht alle Fälle, die für eine Organtransplantation in Frage kommen", klagt der Mediziner. "Wir erscheinen in den Kliniken als Bittsteller." Kirste fordert, zu den Gesprächen mit Angehörigen grundsätzlich DSO-Koordinatoren hinzuziehen, "als Anwälte der Wartelisten-Patienten". Das könne die dringend benötigte Zustimmung zu Organspenden erhöhen. Als beispielhaft für eine gute Koordination gilt Spanien. Während in Deutschland auf eine Million Einwohner nur 15 Organspender kommen, sind es südlich der Pyrenäen mit 34 mehr als doppelt so viele.
Mit den Angehörigen reden
Zusätzlich könnte auch eine bessere Aufklärung der Bevölkerung vielen Patienten auf den Wartelisten das Leben retten. "Das Entscheidende ist, dass in den Familien darüber gesprochen wird", sagt DSO-Vorstand Kirste. "Die Angehörigen müssen wissen, was sie im Falle eines Falles tun sollten."
Neues Leben mit Spenderherz
Dass die Bereitschaft zum Spenden Leben retten kann, zeigt das weitere Schicksal von Jaksties. Für den Herzpatienten, der zwischenzeitlich in ein künstliches Koma gelegt wurde, fand sich nach wenigen Monaten im Juli 2003 ein passendes Spenderherz. "Nach der Operation ging es zügig bergauf", erzählt er. "Inzwischen bin ich für das tägliche Leben gut gerüstet." Jaksties betreibt regelmäßig Ausdauersport: Er wandert, schwimmt und fährt Rad. Zudem hat er in der Pfalz eine Selbsthilfegruppe für Herzpatienten gegründet. "Ich möchte von der Hilfe, die ich selbst bekommen habe, auch etwas zurückgeben."
Der 6. Juni ist dieses Jahr Tag der Organspende. Unter dem Motto "Ein Ja zum Leben" wollen Ärzte, Politiker und Gesundheitsorganisationen dazu anregen, einen Organspendeausweis auszufüllen. Der von der DSO koordinierte Aktionstag wird seit 1982 am ersten Samstag im Juni begangen.
Quelle: t-online.de
Meine Erfahrung :
Mein Vater wartete 7 Jahre lang auf eine Spenderniere und bekam diese dann kurz vor knapp. War also noch einer der glücklichen der sie rechtzeitig bekam.
Mir wurde da erst bewusst wieviele Menschen nicht so ein Glück haben und wie groß das Glück war, dass die Person mit dem passenden Organ auch einen Spenderausweis hatte.
Hab mir daraufhin gleich einen Organspendeausweis im Krankenhaus geholt und ausgefüllt. Den trag ich jetzt immer bei mir.
Es ist nicht viel arbeit den Ausweis auszufüllen und ins Krankenhaus muss man auch nicht (gibts auch zum runterladen). Aber machts es, denn es kann Leben retten. Auch wenn der eigene Tod für die Familie bestimmt schrecklich ist, hat man dennnoch die Gewissheit vieleicht sogar mehrere Menschen gerettet zu haben.
Auf Thanks darf ruhig mal gedrückt werden. Darüber freut sich jeder User.
Hallo Chakka,
das ist ein sehr sehr wichtiges Thema. Damit beschäftige ich mich schon lange.
Ausweise habe ich für meine Familie schon besorgt. Aber sie sind noch nicht ausgefüllt. Der Grund: zumindest bei mir: ein Teil Rest Angst, ob ich auch wirklich tot bin, wenn mir Organe entnommen werden. Ich weiß, das hört sich kindisch an. Aber diese Angst ist da und im Moment kann ich damit noch nicht umgehen.
Mlg piloten
Chakka_cor (06.06.2009), hulpitz (10.06.2009), ladu (07.06.2009), Smithi (06.06.2009), thayvo (06.06.2009)
Hallo Piloten,
die Angst hatte ich auch. Hab mich dann aber mal mit einem der Ärzte in der Uni-Klinik unterhalten. Die sagten mir dann, das der Tod einer Person von zwei Ärzten unabhängig voneinander bescheinigt werden muss. Es wird dem Arzt weder gesagt ob er der erste oder zweite ist noch ob Du Organspender bist oder nicht.
LG Chakka_cor
Lesezeichen